„Saladin und das BAMF“ – Eine fiktive Geschichte aus 2 Millionen und einem Antrag

Da viele der 2015 illegal in die Bundesrepublik Eingereisten einen Asylantrag stellten, mußte ihnen daher eine Anhörung vor dem BAMF zugemutet werden. Einer von ihnen ist Saladin. Saladin sagt, er käme aus Syrien und sei noch minderjährig. Wie alt er wirklich angibt zu sein, weiß ich natürlich nicht. Es soll auch nicht der Eindruck entstehen, diese Geschichte wäre wahr. Denn sie ist es nicht.  Es ist nämlich absolut unmöglich, daß sich in unserem demokratischen Rechtsstaat solch eine Geschichte je so zugetragen hat oder sich so zutragen könnte.

Wie dem auch sei, Saladin war jedenfalls allein gereist und damit ein sogenannter UMA; ein „unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender“. An einem kühlen Herbsttage 2016 war Saladins großer Tag gekommen. Er hatte, irgendwo in Deutschland, bei einer Außenstelle des BAMF den Anhörungstermin für seinen Asylantrag. Lange hatte er mit seinem findigen Asylanwalt geübt und sich die Worte zurechtgelegt, wie er was sagt und wie er auf die Fragen der Sachbearbeiter antworten würde. Es gab also keinen Grund zur Beunruhigung und Saladin war guter Dinge.

Das Gespräch beginnt und Saladin, der sich selbst als Araber sieht, wird zuerst nach gültigen Ausweisdokumenten gefragt. Bereits an dieser Stelle muß er jedoch passen, denn er kann nichts vorlegen, was ihn als Syrer ausweist oder sein Alter belegt. Er besaß einmal einen Reisepaß, damals in Syrien. Den hatte er sich kurz vor Reisebeginn ausstellen lassen, erklärt er stolz. Dieser sollte ihm dann auf seiner langen und beschwerlichen Reise nach Deutschland nachgesendet werden. Wo sich das Dokument nun aber befindet, weiß Saladin leider nicht. Was Saladin lange bei sich führte, war nur eine Kopie des besagten Passes. Diese ist aber auch irgendwie vom Erdboden verschluckt.

Saladin erzählt, daß er nicht immer allein reiste. So habe er sein Heimatland Ende 2014 gemeinsam mit seiner großen Familie über Zwischenstationen in Richtung Europa verlassen. Seine Eltern und zahlreiche Brüder und Schwestern befinden sich zur Zeit des BAMF-Gespräches noch in einem mohammedanischen Land am Rande Europas.

Dort hätte Saladin auch einige Monate verbracht und als ungelernter Hilfsarbeiter sich in weniger als einem Jahr das Geld für die Weiterreise nach Deutschland hart erarbeitet. Es waren mehr als 2.000 Dollar, die Saladin seinem Reisevermittler zahlen musste. So viel Geld muß man in diesem Land, in dem Saladin diese ganzen Monate illegal gelebt hat, erst einmal verdienen, vor allem als Hilfsarbeiter.

Die wichtigsten Fragen, die Saladin gestellt werden, betreffen den Grund seiner Flucht aus Syrien. Ein Streckenposten des „Regimes“ habe ihn bei einer Fahrt mit dem Autobus gefangen genommen und ein paar Tage festgehalten. Seine Familie mußte ihn durch die Zahlung eines Lösegeldes freikaufen. Dieses Ereignis hat Saladin so tief traumatisiert, daß er sich nicht einmal mehr daran erinnern kann, wie viel Geld seine Familie den Entführern zahlen mußte. Irgendwie kam Saladin jedenfalls wieder nach Hause in sein Dorf und wenige Tage danach ging es auf die große Reise.

Zuvor, so ergänzt er schnell, wurde sein Dorf noch bombardiert. Wieder vom Regime. Auch dies war für Saladin ein so traumatisierendes Erlebnis, daß er sich nicht mehr genau daran erinnern kann. Wirkliche Angst hat Saladin jedoch vor etwas ganz anderem. Wenn er 18 wird, er weiß auch nicht genau, wann das sein wird, könnte er vom syrischen Staat zum Wehrdienst einberufen werden. Davor graut ihm, und vor der Zeit danach. Denn dann müßte er sich entweder eine Arbeit suchen oder jemand müßte für ihn aufkommen. Beides kann sich Saladin in seiner Heimat absolut nicht vorstellen. Deshalb ist er nach Deutschland gekommen. Hier kommt man für ihn auf, hier fühlt er sich auch sicher.

Genau eine Stunde hat Saladins Unterhaltung mit dem BAMF-Vertreter gedauert. Bereits wenige Tage später bekam er Post vom BAMF. Der Brief war für ihn eine Enttäuschung. Ihm war vom Amt dreisterweise nur der subsidiäre Schutzstatus zuerkannt worden. Doch davon ließ sich Saladin, zusammen mit seinem äußerst pfiffigen  Asylanwalt, nicht beirren. Sie hatten selbstverständlich noch ein Ass im Ärmel und erhoben einfach Klage vor dem Verwaltungsgericht. Dieses ließ mit seiner Entscheidung auch nicht lange auf sich warten und bereits Anfang 2017 mußte das BAMF durch Urteil des Gerichts Saladin die Flüchtlingseigenschaft zuerkennen. Grund für die gerichtliche Entscheidung war die Tatsache, daß Saladin irgendwann in Syrien zum Wehrdienst einberufen worden wäre.

Heute ist Saladin glücklich. Er ist Teil unserer starken deutschen Solidargemeinschaft. Auch seine vielen Verwandten durften mittlerweile auf dem beschwerlichen Wege des Familiennachzuges aus Arabien ins europäische Deutschland reisen. Ihnen geht es gut. Keiner von ihnen muß zum syrischen Militär oder unbedingt einer geregelten Arbeit nachgehen. Ende gut, alles gut. – Wie gesagt, alles natürlich frei erfunden.