Freundschaft ?

Seit etwa einer Woche habe ich am Anschlagbrett meines Wahlkreisbüros einen Auszug aus unserem Grundsatzprogramm in russischer Sprache hängen. Dieser Schritt erschien mir notwendig, da es im Hinblick auf die AfD in Wittenberg scheinbar nur wenige aufgeklärte Russlanddeutsche gibt.

An einem wunderschönen Freitag im Wonnemonat Mai hatte ich mir vorgenommen,
die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in der Lutherstraße zu besuchen. Ich wollte die Stimmung unter den Wittenberger Russlanddeutschen sondieren und sie unverbindlich über die AfD informieren. Zu diesem Zweck hatte ich einige Exemplare
des oben genannten Faltblattes im Gepäck.

Ohne Kenntnis von meiner AfD-Mitgliedschaft, wurde ich von der Vorsitzenden,
Frau W., recht herzlich begrüßt. Als ich dann jedoch kurz darauf auf meine Parteizugehörigkeit und mein Anliegen zu sprechen kam, trübte sich ihre Stimmung
und dunkle Gewitterwolken zogen auf. Die anfänglichen Anflüge von russischer Herzlichkeit schlugen in latente Feindseligkeit um. Ohne eine weitere Diskussion wurde ich gebeten zu gehen; den mir angebotenen Platz konnte ich nicht mehr einnehmen. Frau W. sei CDU-Mitglied und schäme sich dafür, daß es „hier“ eine Partei wie die AfD überhaupt geben dürfe. Den Mitgliedern ihres Vereines rate sie immer wieder dringend davon ab, sich mit unserem Programm zu beschäftigen, selbst Mitglied zu werden oder uns gar zu wählen. Sie jedenfalls hätte unser Programm gelesen und könne das alles überhaupt nicht gutheißen.

Nun kann die gute Frau W. ja gern ihre Meinung haben, das steht ihr frei und ist nur demokratisch. Ihr leichter Hang zur Bevormundung der Mitglieder ihres Vereins steht dazu jedoch in einem eklatanten Widerspruch. Einen gewissen Beigeschmack bekommt die Angelegenheit allerdings schon, wenn man bedenkt, daß Frau W. laut ihrer Aussage Mitglied der CDU ist. Sicher genießt diese Partei noch immer bei den Russlanddeutschen den sogenannten Kohl-Bonus. Der schillernde Glanz dieser Ära dürfte jedoch längst Geschichte sein. Die CDU hat heute ihre Reihen auf breiter Front mit der Opposition zu Russland geschlossen. Im Gegensatz dazu vertritt die AfD Positionen, die noch vor 25 Jahren bei den Christdemokraten ohne Wenn und Aber mehrheitsfähig waren. Für die Anliegen der Russlanddeutschen interessiert sich heute in dieser Partei jedoch niemand mehr. Die neuen politischen Zielgruppen der Union sind mittlerweile südländische Wirtschaftsflüchtlinge, deren millionenfacher Einfall innerhalb kürzester Zeit zu einer erheblichen Verschärfung der inneren Sicherheitslage geführt hat und in absehbarer Zeit auch zur Erosion unserer Sozialsysteme führen wird.

Soll das alles im Sinne unserer „schon länger hier lebenden“ russlandstämmigen Mitbürger sein, liebe Frau W. ? Ich glaube nicht ! Deshalb appelliere ich an den gesunden Menschenverstand aller in Wittenberg lebenden Russlanddeutschen und würde mich freuen, wenn sie sich über unsere Grundsatz- und Wahlprogramme informieren würden. In anderen Teilen der Republik ist man längst soweit und macht sein Kreuz
bei der AfD.  In diesem Sinne: Дружба !